Erst vor kurzem durfte ich mit Freude beobachten, wie ein Kind den Übergang vom Krabbeln zu aufrechten Gang bewältigt und schlussendlich gemeistert hat. Es war faszinierend zu sehen, wie beinahe täglich Fortschritte zu verzeichnen waren, bis der Kleine zuletzt die ersten Schritte ganz allein, ohne fremde Hilfe, gegangen ist. Ähnlich wie dem Kind, geht es mir seit neuesten auf einer ganz anderen Ebene. Bei mir geht es um das Vorhaben die ersten Schritte auf Bali, im Sinne meiner Auswanderung, zu gehen.

Nachdem ich mit kurzen Unterbrechungen im letzten Jahr knappe 8 Monate auf Bali verbracht habe, um mich vorwiegend um meine psychische Gesundheit zu kümmern, ist vor 2 Monaten, im August 2018, die Entscheidung nach Bali auszuwandern gefallen. Eine Entscheidung die auf eine Vielzahl von Faktoren und Einflüssen zurückzuführen ist und einschneidender in ihrer Auswirkung nicht sein könnte. In den vorangegangen Monaten habe ich mich förmlich in die Art auf Bali zu leben verliebt. Sei es das Surfen, das Motorrad fahren, das tropische Klima, die Kultur oder die Herzlichkeit und Wärme der Menschen. All das und vor allem das atemberaubende Gefühl der Freiheit, macht Bali zum Platz meiner Träume. Ein Traum der nun Wirklichkeit geworden ist.

Auszuwandern bedeutet altes hinter sich zu lassen, gewohnte Pfade zu durchkreuzen und sich vor allem aber auch, aus seiner Komfortzone zu erheben und neues Terrain zu erforschen. Wie bei der Analogie des laufen Lernens, ist aller Anfang nicht immer ganz einfach. Sprache, gesellschaftliche Konventionen, der fehlende Freundeskreis und auch die fehlende Nähe zur eigenen Familie, sind Hürden die es zu meistern gilt. Eine der für mich wichtigsten und im wahrsten Sinne des Wortes existenziellsten Bausteine des ganzen Unterfangens ist der Aufbau einer finanziellen Existenz, die es mir erlaubt komplett unabhängig zu sein. Denn mit diesem Faktor steht und fällt der Plan die nächsten Jahrzehnte auf Bali zu leben.

Nun, in Bali beträgt der durchschnittliche BIP pro Kopf ein wenig mehr als 2600 Euro im Jahr. Des Weiteren ist es für einen ausländischen Staatsbürger wie mich, ziemlich kompliziert eine Arbeitsgenehmigung zu erwirken. Die Voraussetzungen erweisen sich also ganz augenscheinlich als ziemlich schlecht.

Dennoch bin ich für die nächsten 4 Jahre abgesichert, denn einerseits studiere ich auf Bali über eine Fernhochschule (dazu in Kürze ein eigener Beitrag) und zum anderen habe ich eine beträchtlich angesparte Summe, von der ich vorerst zehren kann. Diese 4 Jahre sind sozusagen die Zeitspanne, die ich zur Verfügung habe um mir auf Bali ein Leben aufzubauen, das ich komplett alleine stemmen kann.

Mit dieser Gewissheit im Rücken, bin ich täglich damit beschäftigt mich mehr und mehr mit dem Land, der Kultur und auch sonst allem was dazu gehört auseinanderzusetzen. Jede Kultur hat ihre eigenen Gepflogenheiten. Was in der einen als freundlich erachtet wird, kann in der anderen als Fauxpas gelten. Sich in die jeweiligen sozialen Gefüge einzufinden ist aus eigener Erfahrung eine große Herausforderung. Nichtsdestotrotz gleichzeitig auch sehr interessant und schlussendlich unumgänglich, gar schon respektlos, wenn man dies nicht tut.

Auch das Erlernen der landesüblichen Sprache ist selbstverständlich ein Teil dieses „Anpassungsprozesses“. In ganz Indonesien wird mehr oder weniger Bahasa Indonesia gesprochen, zumindest ist dies die formelle Form. Aufgrund der über 16.000 Inseln, die Indonesien umfassen, gibt es aber erschreckend viele Slangs. Trotz alledem bin ich jeden Tag mindestens eine Stunde mit Vokabelpauken und lernen beschäftigt, um möglichst schnell auch zumindest ganz passabel mit den einheimischen kommunizieren zu können.

Ein Meer an Herausforderungen und gleichzeitig eine phänomenale Chance um als Person zu wachsen. Ich freue mich drauf !