„Du bist, was du isst“, das wusste schon lange vor unserer Zeit der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach. Eine alte Weisheit, die über lange Zeit nicht ernst genommen wurde und von der Wissenschaft lange Zeit nur sehr zaghaft, nun aber mehr und mehr bestätigt wird. Es besteht also tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen Ernährung und Depression. Gesunde Ernährung ist also nicht nur als präventiv Maßnahme zu verstehen, sie kann auch bei bestehender psychischer Instabilität  positive Auswirkungen mit sich bringen.

Interessanterweise bin ich in all den Jahren therapeutischer Behandlung durch die Schulmedizin so gut wie überhaupt nicht auf diesen Zusammenhang hingewiesen worden. Im Zuge dessen, aber auch aus der Trägheit und der Unbewusstheit über die Bedeutung von Ernährung, habe ich 21 Jahre meines Lebens gegessen, was meinen fehlentwickelten Geschmacksknospen zugesagt hat. Heute bin ich mir sicher, dass auch der Aspekt der Ernährung Anteile an meiner Depression hatte.

Die meisten von uns sind daran gewöhnt, ihre Essen von den lokalen Supermärkten oder Fastfood-Restaurants zu beziehen. Wir sehen es als selbstverständlich an durch den Supermarkt zu laufen und all das zu erstehen, was wir uns auf den Einkaufszettel geschrieben haben. Das Fleisch aus der Fleisch Theke, den Käse aus dem Kühlregal und die Früchte in der davor vorgesehenen Abteilung. Dabei verlieren wir ganz unbewusst den Bezug zur Natur und aber auch den Bezug zur natürlichen, eigentlich für uns vorgesehenen, Ernährung. Wir machen das von Kindesbeinen an und von daher ist diese Art der Lebensmittelbeschaffung vollkommen normal.

Wir vergessen bzw. verlernen dabei völlig, welche Lebensmittel qualitativ hochwertig und auch gesund für uns sind. Größtenteils handelt es sich um ein Melting Pot an diversen hochgradig industriell aufbereiteten Produkten.

Im Zuge meiner Therapie in Bali habe ich mich auch diesem Thema ernsthaft angenommen und anhand eines Selbstexperiments, welches schlussendlich zu einer permanenten Essgewohnheit wurde, die Wirkung von pflanzlich basierter Ernährung am eigenen Leib erfahren.

Wenn ich von pflanzlich basierter Ernährung spreche, meine ich selbstverständlich die vegane Form. Hätte man mich vor einigen Jahren gefragt, ob ich es mir vorstellen könne meine Ernährung so grundlegend zu verändern, wäre ein klares Nein als Antwort gefallen. Argumente wie der logistische Aufwand oder der Verzicht, der vermeintlich damit einhergeht, waren für mich ganz klare Contra Aspekte. Hätte ich damals das Wissen gehabt über welches ich heute verfüge, wäre es zu so einer Aussage nie gekommen.

Nicht nur ich, sondern vermutlich auch der Großteil unserer Gesellschaft hat mit einigen Vorurteilen bezüglich  der veganen Ernährung  zu kämpfen. Postuliert wird hier oft, dass das Sortiment an körperwichtigen Elementen nicht in voller Gänze abgedeckt wird. Das Gegenteil ist der Fall,  Vitamine, Mineral- und Vitalstoffe sowie Spurenelemente sind in Fülle vorhanden. Viele holistisch beeinflusste Spezialisten sind der Überzeugung, dass Nahrung, richtig eingesetzt,  auch als Medizin eingesetzt werden kann und somit dem Heilungsprozess entscheidend begünstigt. Zusammenfassend kann man sagen, dass Nahrung gleichzeitig sowohl das Medikament, als auch das Gift ist, mit dem wir unsere Gesundheit täglich beeinflussen.

Die Entscheidung meine Ernährung grundlegend umzustellen, liegt mehreren Faktoren zu Grunde. Zum einen spielt der ethische Aspekt eine wichtige Rolle. Mir wurde durch dein Einfluss meiner Umgebung deutlich aufgezeigt, wie unbewusst und vor allem selbstgerecht meine bisherigen Essgewohnheiten waren. Durch die Bewusstmachung viel es mir wie die Schuppen von den Augen. Fleisch z. B brachte ich aus dem Aspekt des nicht hinschauen wollen nur noch mit einer Metzgerei oder einer Fleischtheke im Supermarkt in Verbindung. Die Frage, unter welchen Umständen die Tiere zu Lebzeiten gehaust haben, und damit den Blick über den Tellerrand zu werfen, stellt sich sehr selten. Was viele nicht wissen ist, dass  es aus den tierunwürdigen Bedingungen von denen das meiste Fleisch bezogen wird es zu einer problematischen Hormonbelastung im Fleisch kommt. Die Stresshormone, die aufgrund der unnatürlichen Haltung entstehen, verbleiben im Fleisch und werden dann durch den Endverbraucher in kritischer Konzentration durch den Verzehr aufgenommen.

Wie oben schon erwähnt, war für mich natürlich auch der mentale Aspekt eine der wichtigsten Punkte. So unterschiedlich die Ursachen einer Depression auch sein können, die Auswirkungen auf das Gehirn sind vergleichbar. Bei den Betroffenen ist immer ein Mangel an chemischen Botenstoffen festzustellen. Die bekanntesten Vertreter sind Dopamin und Serotonin, die beide auch als Glückshormone gelten. Schon lange ist bekannt, welch wichtige Rolle Nährstoffe wie essentielle Fettsäure, Magnesium oder Vitamin B6, B9 und B12 bei der Produktion von Neurotransmittern spielen. Eine  nicht ausreichende Versorgung des Körpers mit diesen Nährstoffen führt mitunter zu einem physischen Ungleichgewicht, welches die Entwicklung einer Depression begünstigen und eine bereits bestehende depressive Stimmung verstärken kann.

Ich kann jedem, der in Eigenregie was an seiner Gemütslage verändern möchte, nur ans Herz legen auch die Ernährung mit einzubeziehen. Leider wird uns heute nicht mehr wirklich bewusst gemacht welch Wichtigkeit eine gesunde Ernährung für unseren Organismus hat.