Dieses Zitat, als Überschrift hier, wird so manchem Leser sehr bekannt vorkommen, sollen diese geflügelten Worte doch immerhin von keinem Geringeren als von Jesus Christus selbst stammen. Als Zitat sind diese Worte weithin bekannt, wenn auch selten tatsächlich verstanden – wie ich vermute – und wahrscheinlich werden sie noch seltener in die Tat umgesetzt. Auch wenn ich im Allgemeinen kein besonders religiöser Mensch bin und ich üblicherweise auch kaum jemals aus der Bibel zitiere, muss ich gestehen, dass in diesem Christus-Zitat für mich ein Potenzial von schier unermesslicher Bedeutung zu finden ist. Diese Bedeutung besteht vor allem in Bezug auf die – bislang wenig bekannte – Unterstützung bei sämtlichen Heilungsabläufen, völlig egal bei welcher Art von Erkrankung beziehungsweise sogar bei Verletzungen. Ganz besonders wichtig wird der Aspekt des Gebens allerdings bei unserem schwierig anmutenden Thema „Depressionen – Selbst Heilen“.

Ja, und so locker flockig „schwierig anmutend“, schreibe ich deshalb (mit der Betonung auf „anmutend“), weil ich meine Erkenntnis hier weitergeben will, dass uns nur das in unserem Leben Schwierigkeiten bereitet, was wir (noch) nicht wirklich verstehen (wollen) bzw. was wir mit Misstrauen oder gar mit Widerstand betrachten.

In Wahrheit ist alles im Leben ganz einfach, zumindest viel einfacher als wir uns dies meist vorstellen wollen. WIR SELBST machen die Dinge kompliziert und mitunter so schwierig wie wir sie oftmals erleben. Wir blockieren uns stets selbst und dann, sind wir einmal blockiert, wird es für uns tatsächlich schwierig bis nahezu unmöglich, die Einfachheit in den Dingen und auch in gewissen Abläufen überhaupt noch wahrzunehmen. Dies gilt ganz besonders auch im Bereich von Heilung, wo sich die moderne Medizin heillos verirrt zu haben scheint. Statt Prävention wird fast nur mehr repariert, statt unsere natürlichen Selbstheilungskräfte zu unterstützen, die alles, aber auch alles selbst heilen können, wird vorwiegend mit Chemie herumgedoktert und damit meist mehr Schaden als Nutzen angerichtet, vor allem langfristig.
Wie steht unsere moderne Gesellschaft zum Thema „Geben ist Seliger denn nehmen“?

Sind wir Menschen in den modernen Gesellschaften offen, aufgeschlossen bzw. das, was man als „open minded“ bezeichnen könnte? Wohl kaum, würde ich da mal behaupten. Denn, statt Empathie zu fördern und diese möglichst auf allen Ebenen zu verstärken, wird uns meist schon von Kindesbeinen an beigebracht, für uns selbst möglichst das größte Stück des Kuchens zu ergattern und so viel an materiellen Gütern anzuhäufen wie nur möglich. Ganz nach der Devise „lang´ nur ordentlich zu“, „schau zuerst auf dich selbst“, „nimm dir doch, was du kriegen kannst“ (selbst wenn man sich zu diesem Zwecke bekriegen müsste).

Muss es uns da noch wundern, dass wir infolgedessen in einer maßlosen Ego-Gesellschaft gelandet sind, in einer Welt in der die Ellbogen sehr, sehr häufig rücksichtlos eingesetzt werden? Wobei man erwähnen sollte, dass es in unserer heutigen Welt mitunter sogar notwendig sein kann, die Ellbogen einzusetzen, um überhaupt überleben zu können.
Nichtsdestotrotz scheint der heutzutage gelebte Egoismus gigantische Dimensionen angenommen zu haben, wie sie wahrscheinlich noch nie in der Geschichte der Menschheit dagewesen waren. Übrigens, es sind ähnlich gigantische Dimensionen wie wir sie in den letzten Jahrzehnten rund um den Globus bei der Ausbreitung von depressiven Erkrankungen beobachten müssen.

Die natürliche Balance zwischen Geben und Nehmen ist nicht mehr allzu oft vorzufinden. „Geben ist Seliger denn nehmen“, in seiner tiefliegenden Bedeutung, rückt mehr und mehr aus dem Fokus des Bewusstseins und scheint als Lebensmotto bald gänzlich verschwunden zu sein.

Wir sind vielfach darauf gepolt, alltägliche Handlungen und Taten vorwiegend für den eigenen Vorteil und zugunsten der eigenen Bereicherung zu begehen. Das eigene Wohlergehen steht, meiner Meinung nach, viel zu häufig im Vordergrund. Dabei wird leicht übersehen, dass Teilen in Wahrheit eine schöne Sache ist, bei der auf wundersame Weise vermehrt und nicht zwangsläufig verringert wird. Diese Zusammenhänge erkennen nur die wenigsten Menschen, sie zu erkennen ist jedoch essenziell für die Behandlung und die Beseitigung von Depressionen. Mir selbst ist dies alles, zugegebener Weise, auch sehr schwergefallen.

Speziell Menschen die unter Depressionen leiden und die sich sehr oft selbst enorm unter Druck setzen, daher stets unter verstärktem innerlichem Druck stehen, sind oft kaum in der Lage für andere Menschen Mitgefühl und Verständnis zu entwickeln. Mitgefühl und Verständnis, das sie von anderen sehr wohl für sich selbst erwarten. Dies beinhaltet auch immer, dass man sie, als „leidende Opfer“ ganz besonders beachten sollte und sie dazu noch ganz besonders aufmerksam umsorgt. Im Allgemeinen erwarten sie, dass man sich in höchst liebevoller Art um sie kümmert, wobei sie selbst kaum jemals bereit sind, sich um andere zu kümmern.

Eine wahrheitsgemäße und tatsächlich ehrliche Eigenreflexion, die bei so manchen depressiv Erkrankten jedoch gewiss nicht von vornherein vorausgesetzt werden kann, würde zu einer klaren Sicht auf die Dinge führen. In Wahrheit haben wir es im Depressionsgeschehen stets mit weitgehend egoistischen, wie auch eigensinnigen, wenn auch nahezu vielfach unerkannt destruktiven Verhaltensweisen zu tun. Als Folge erleben Patienten mitunter dramatischen Kräfteverlust und subjektiv schmerzhaft empfundenen Mangel an Liebe, weil die so wichtigen zwischenmenschlichen Interaktionen nur mehr reduziert stattfinden. Sie können auch gar nicht mehr stattfinden, da Egoismus und Starrköpfigkeit das Kommando längst übernommen und, metaphorisch gesprochen, fürchterlich hohe Mauern gebaut haben, die die Betroffenen folglich voneinander trennen und fortan separieren. Doch genau die zwischenmenschlichen Interaktionen sind es, die unser aller Leben lebenswert und mitunter auch sehr, sehr angenehm machen können. Dieses, für uns überlebenswichtige Miteinander gilt es aufrechtzuerhalten bzw. gegebenenfalls wieder zu aktivieren.

Um zur wichtigen Erkenntnis zu kommen, wie sehr Egoismus und Starrsinn der Selbstheilung im Wege stehen, bedarf es auf alle Fälle einer bereitwilligen kritischen Selbstbetrachtung. Auch eine gehörige Portion an Mut, ist vonnöten, um sich selbst derart kritisch und vor allem auch aufrichtig zu betrachten. Doch auch ein interessanter, humorvoller, ja, ein durchaus auch witziger Therapeut kann diesbezüglich wahre Wunder bewirken. Ich selbst hatte das Glück mich eines solchen Helfers bedienen zu dürfen.

Auf dem Weg zur Selbsterkenntnis sind die sonst üblichen, von uns geschönt erdachten Perspektiven, uns selbst betreffend, abträglich. Wir sollten weitgehend frei von Illusionen bzw. auch frei von selbst kreierten Lügen sein, da diese ja stets nur in der Absicht erschaffen werden, die eigene Situation entsprechend zu beschönigen. Ein solcher Erkenntnisweg ist vielfach auch mit Schmerz verbunden, denn zu sehen an welcher Stelle man in seinem Leben tatsächlich steht, wird von uns selbst wohl selten als angenehm wahrgenommen, brechen doch auch stets zumindest ein paar Illusionen in sich zusammen. Hier sollte ein kurzer Blick auf das antike Orakel zu Delphi gestattet sein und vor allem auf die bekannte Inschrift, die da weise postuliert: „Erkenne dich selbst, dann erkennst du Gott“.
Eine andere, altbekannte Weisheit besagt, dass man die Dinge die man gibt, auf irgendeine Weise wieder zurückbekommt, egal wie das auch immer geschehen mag. Das, doch bereits vielfach bekannte Gesetz des Säens und Erntens, kommt hier zum Tragen.

Wir sollten auch verstärkt darauf bedacht sein, unserer Umwelt zu dienen, also uns unseren Mitmenschen und im Allgemeinen auch der gesamten Natur mit herzlichem Mitgefühl, Liebe und Freude und, wenn möglich, sogar mit Begeisterung zu nähern. In Folge wird die Ernte, die wir einzubringen haben, ebenfalls von herzlichem Mitgefühl, Liebe und Freude und sogar auch von Begeisterung getragen sein. Unsere Seele kann dabei wohltuend und befreit durchatmen. Davon dürfen wir eindeutig ausgehen.

Man kann also ganz bewusst Einfluss nehmen, das heißt, WIR selbst können (und sollten uns auch!), ganz bewusst dafür entscheiden, welche Ernte wir am Ende des Tages einbringen möchten. All die erhofften Zuwendungen, jedwede Art der Beachtung, selbst Liebe und uns entgegengebrachte Freude erhält man in Wahrheit nur, wenn man selbst um das Glück seiner Mitmenschen besorgt ist und dies alles auch anderen „gibt“. Allein diese Erkenntnis hat mich persönlich zu einer ganz neuen Betrachtungsweise gebracht, die sich auch äußerst hilfreich herausstellte und immer noch hilfreich ist, wenn es darum geht zu verstehen, weshalb sich dieser psychische Notstand bei mir überhaupt derart dramatisch eingestellt hat.

Dieses, unser „Geben“, vermag den Gemütszustand unseres Gegenübers und auch unseren eigenen Gemütszustand in einem hohen Maße zu steigern, ganz gewiss jedoch wesentlich stärker, als man es vielleicht annehmen würde. Gewiss hat jeder von uns schon die Erfahrung gemacht, welch große Freude wir auslösen können, sind wir bereit, das Credo „Geben ist seliger denn Nehmen“, zu einem bestimmenden Leitprinzip unseres Lebens werden zu lassen.

Ich selbst merke mehr und mehr welch freudiges Gefühl es in mir auslöst, wenn es mir gelingt, meine Aufmerksamkeit und meinen starken Fokus eher auf das Geben als auf das Nehmen zu legen. Meiner Umgebung das Leben freudiger, glücklicher und angenehmer zu gestalten wird mir immer wichtiger, nicht zuletzt, weil ich auch immer deutlicher spüre, wie das, was ich gebe, auch wieder zu mir zurückkommt. Es ist sozusagen ein liebevolles Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe, indem ich es anderen liebevoll zur Verfügung stellte.

Für mich persönlich ist es schon lange so, dass es mir, wenn ich zum Beispiel jemanden ein Geschenk mache, vielfach mehr Freude bereitet, zu schenken, als selbst ein Geschenk zu erhalten. Meine Umgebung zu beglücken und mit Freude und angenehmer Stimmung zu beschenken, löst in mir wohltuende Glücksgefühle aus. Ja, je mehr es mir gelingt, in diese Glücksgefühle einzutauchen, desto mehr wird aus diesen ein starkes, bejahendes Lebensgefühl, eine wunderbare positive Kraft.

Das Geben dem Nehmen gegenüber zu favorisieren und es zu unserer wichtigsten Tugend zu machen, ist für jeden von uns eine Chance und letztlich sogar ein Garant, auch in der Tat ein „Gutes Leben“ zu erleben, das dauerhaft Bestand haben kann und auch bestand haben wird. Für mich ist das Geben auch eine wichtige Basis der Nächstenliebe, die mir auch gehörig viel an Energie bringt. Alles in allem haben wir es hier mit Faktoren zu tun, die es, werden sie auch im täglichen Leben gelebt, kaum jemals mehr zulassen werden in Zukunft erneut depressiv zu werden.