Durch den Umstand, dass wir als Menschen in den meisten Fällen in einem Verbund, der Gesellschaft, Leben, entstehen unweigerlich Vorstellungen und Überzeugungen bezüglich vieler Dinge. Wenn diese Vorstellungen und Überzeugungen von einer Mehrheit als Richtig und Wahrheitsgetreu eingestuft werden, entsteht ein sogenannter Glaubenssatz. Glaubenssätze sind also tief verwurzelte und verankerte  Überzeugungen über die Welt und schlussendlich auch über uns selbst. Spezifischer ausgedrückt sind Glaubenssätze Behauptungen, die einem Umstand eine Wertung bzw. Wirkung zuschreiben. Demzufolge habe sie einen essenziellen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, wie auch auf unser Denken und Handeln.

Hierzu gibt es eine Nette Geschichte, die verdeutlicht wie stark sich Glaubenssätze auf unser Leben auswirken können:

Ein Mann fand ein Adler Ei und legt es in eines der Nester seiner Hühner.

Der Adler wurde von einer Henne ausgebrütet und wuchs zusammen mit den anderen Hühnern auf. Er fühle sich wie ein Huhn, er gackerte wie ein Huhn, er flatterte nur höchsten ein paar Meter über den Boden, wie es eben Hühner tun. Er scharrte im Boden nach Insekten und Würmern. So verging Jahr um Jahr und der Adler wurde älter. Eines Tages sah er am Himmel einen prächtigen Vogel, der majestätisch seine Kreise zog. Voller Bewunderung blickte der Adler nach oben und fragte eines der Hühner:

Wer ist das da oben?

Das ist der Adler, der König der Vögel antworte das Huhn. Wäre es nicht herrlich, wenn wir auch da oben im Himmel kreisen könnten. „Vergiss es“, sagte das Huhn, „wir sind nur Hühner. “Der Adler gab dem Huhn Recht und vergaß es wieder.

Er lebte weiter und starb im Glauben ein Huhn zu sein

Viele unter uns lebende Menschen unterliegen der Auffassung, dass eben diese Glaubenssätze mit den Naturgesetzten gleichzusetzen sind und somit kommt es in den meisten Fällen zu keiner kritischen Infragestellung.  Untermauert wird diese Annahme durch eine Allgemein vertretene Denkweise, die besagt „Wenn die Mehrheit der Gesellschaft zu einem Entschluss kommt, gilt dieser als allgemein gültig und wahr“.

Diese These kann man glücklicherweise unter einer fatalen kollektiven Unwahrheit verbuchen. Unzählige Beispiele sprechen dafür, dass Glaubenssätze genauso einfach an Haltung verlieren können wie Strohhalme im Wind.  Zuerst aber zur Veranschaulichung ein paar Glaubenssätze  die weitverbreitet und weitestgehend destruktiv sind:

  • Man kann sich nicht verändern.
  • Andere Menschen wollen mir nur böses
  • Um reich zu werden braucht man Glück
  • Ich bin hässlich. Wer soll mich schon attraktiv finden?
  • Ich kann nicht mit dem Rauchen aufhören
  • Ich bin eben ein unglücklicher Mensch

Hier bietet es sich an sich genauer anzuschauen was Tatsachen sind und bei welchen Aussagen es sich um Glaubenssätze handelt. Der Satz „Ich bin hässlich. Wer soll mich schon attraktiv finden?“ ist definitiv ein Glaubenssatz. Die Tatsache wäre zum Beispiel „Ich habe seit 4 Jahren keine Freundin“. Der Glaubenssatz und die daraus resultierende Aussage ist nichts anderes als die Einnahme der Opferrolle, welche dazu führt, dass man die Verantwortung seines Lebens aus den Händen gibt. So wird der Glaubenssatz unweigerlich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Was Glaubenssätze sind haben wir nun  gemeinsam erörtert, aber jetzt stellt sich die Frage woher sie Stammen und wo in den allermeisten Fällen ihr Ursprung liegt. Wir, die Menschen kommen als Wesen zur Welt, das  völlig frei von angeeignetem Wissen ist. Wir sind sozusagen unbefleckt und Rein. Nun ist es so, dass Babys und Kinder bis zu einem Alter von etwa 11-12 Jahren durch Nachahmung und Abschauen lernen. Dies geschieht durch die jeweiligen Autoritätspersonen, darunter fallen klarerweise an erster Stelle die Eltern aber auch Lehrer, Politiker und viele weitere tragen an der sogenannten „ich“ Entwicklung unserer Nachkommen einen Anteil. Während dieses Entwicklungszyklus etablieren sich die Konditionierungen am leichtesten in uns, da wir zu diesem Zeitpunkt aufgrund der geringen Lebenserfahrung sehr stark beeinflussbar sind.

Diese Konditionierungen bilden dann das Fundament für unser weiteres Leben und beeinflussen es, je nach Kraft der Konditionierung,  weitreichend. Zum besseren Verständnis hilft es, wenn man sich jeden Glaubenssatz bzw. Konditionierung wie ein Haus vorstellt. Der Glaubenssatz stellt das Fundament des Hauses dar. Das Haus selbst spiegelt demnach unsere Überzeugungen und Lebensweise, die Aufgrund des Fundamentes einen festen Stand haben.

Wie schon erwähnt, stammen all unsere Ansichten und Überzeugungen nicht von uns. Sie werden von der Gesellschaftlichen Struktur wie Eine Schale bei einer Frucht um den Kern und das Fruchtfleisch unseres Wahren Wesens gelegt. Es gibt ohne Frage natürlich auch Positive Dogmen, die meisten jedoch haben leider eine negative Auswirkung auf uns, wenn es darum geht unser Potenzial voll zu entfalten. Egal in welchem Lebensbereich, sei es die Karriere, die Familie, unsere Gesundheit oder die Beziehungen zu unseren Mitmenschen, Glaubenssätze beeinflussen unser ganzes Leben. Sie entscheiden zwischen zuversichtlichen oder pessimistischen, gesunden oder kranken Menschen.

Die gute Nachricht ist, dass Glaubenssätze veränderbar sind. Um bei dem Beispiel des Hauses zu bleiben, müssen wir nur das Fundament ausreißen um das Haus, also den Glaubenssatz zu verändern. Hier kommt die Kraft der Gedanken zum Zuge. Wie in anderen Kapiteln bereits erwähnt, liegt unseren Gedanken, Gefühlen und den daraus resultierenden Emotionen eine enorme Kraft inne, die von den meisten Menschen maßlos unterschätzt wird. Wir sind dazu in der Lage uns unsere Welt so zu gestalten wie wir wollen, so formt sich jeder Mensch seine ganz eigene Realität, denn sie liegt immer im Auge des Betrachters. Sind unsere Gedanken eher negativ und von Pessimismus zersetzt, so werden die positiven Gedanken ausgefiltert und nur negative Gedanken manifestieren sich in unserem Bewusstsein. Selbiges gilt natürlich auch für das Gegenteil. Sobald man beginnt entschieden gegen die alteingesessenen Glaubessätze vorzugehen, wird man feststellen, dass es nur unsere Gedanken sind, die unsere Grenzen im Leben festlegen.

Nun gilt es alle bisherigen Glaubenssätze in Frage zu stellen. Dies kann man zu Beispiel tun indem man Expertenmeinungen oder bekannte Sprichwörter hinterfragt.  Aber auch Überzeugungen, die uns die Gesellschaft schon seit Kindesbeinen eintrichtern möchte, müssen neu aufgerollt und genauer angeschaut werden. Ich persönlich hatte und habe noch immer Probleme damit manche meiner Glaubenssätze über Bord zu werfen. Denn wer, wie ich, über fast 22 Jahre in einer Gesellschaft gelebt hat, die andersdenkende und gegen den Strom schwimmende systematisch als nicht zurechnungsfähig abstempelt, hat enorme Probleme sich seinen Weg in die Freiheit zu kämpfen. Mir hat es sehr geholfen alle neuen Thesen in ein so genanntes „Wartezimmer“ zu stellen. Dieses Wartezimmer in frei von Vorurteilen und dient dazu benannte Thesen objektiv zu betrachten. Mit der Zeit häufen sich, insofern man den Fokus und die Aufmerksamkeit darauf richtet, die Erlebnisse und Beobachtungen, dass der konditionierte Glaubenssatz mehr und mehr an  Wertigkeit verliert und im Umkehrschluss die neue Annahme zu einer neuen Erkenntnis in unserem Leben wird.