Mein Choaching auf Bali

Wie in meiner Lebensgeschichte schon angedeutet, habe ich mich entschieden, ein Coaching bezüglich meiner schwerwiegenden Depression, die mich in Deutschland ereilt hat, auf Bali in Anspruch zu nehmen. Aus rationaler Sicht und vor allem aus meiner Situation damals erschien dieser Schritt vielen meiner Mitmenschen als Himmelfahrtskommando. Einem Menschen, der auf der anderen Seite der Welt lebt, kein Diplom oder sonst einen Nachweis seiner Kompetenz inne hat, sein Vertrauen zu schenken erfordert Mut und eine gewisse Portion Abenteuerlust. Dennoch war ich mir Tief in meinem inneren der Chance bewusst und war mir von Anfang an sicher, dass ich diese Möglichkeit unter allem Umständen ergreifen möchte.

In diesem Kapitel werden ich weniger auf die eigentlichen Inhalte und Aspekte der Heilung eingehen, sondern mehrheitlich beschreiben, wie ich das Coaching in all seinen Einzelheiten erlebt habe, welche Erfahrungen ich gemacht habe und wie es mir in den einzelnen Phasen stimmungsmäßig ergangen ist.

Nach jahrelangem Vertrauen in die Schulmedizin und der Überzeugung, dass dieser auch eine Kompetenz inne liegt die mit nichts zu vergleichen ist, war es für mich an der Zeit den Blick über den Tellerrand zu werfen. Denn von einem Zustand, den ich als Glückselig bezeichnen würde, war ich trotz diverser Behandlungen weit entfernt. Wie zuvor schon beschrieben, erhielt ich kurz nach dem Klinikaufenthalt wohl die Chance meines Lebens. Diese Chance beinhaltet ein Choaching auf Bali, die ohne Medikamente oder sonstige pharmazeutischen Mittel auskommt und sogar noch verspricht, die Depressionsproblematik ein für alle Mal zu beenden.

Nachdem ich die Emailkontaktdaten von Gabriel erhalten habe, brauchte ich gute 2 Wochen bis ich mich dazu überwinden konnte Kontakt mit ihm aufzunehmen.  Nachdem ich mich nun doch überwunden habe und ihm in dieser ersten Email in aller Kürze mein Anliegen und meine Situation beschrieben habe, bot Gabriel mir in seiner Antwort direkt an ein Skype Gespräch  zu führen um sich ausführlicher und persönlicher meiner Situation anzunehmen. Ich fühlte mich von der ersten Minute dieses Gespräches sehr ernst genommen. Diese Auffassung bestätigte sich im Laufe unseres ersten Telefonats zunehmend. Das Gespräch gab uns beiden die Möglichkeit, einander besser kennen zu lernen und mir verschaffte es durch Gabriels einfühlsame und aufbauende Art eine unmittelbare Stimmungsverbesserung. Die Perspektive, welche mir Gabriel aufgezeigt, stellte alles in den Schatten, was ich mir im Entferntesten von diesem Gespräch erhofft habe. Nachdem wir uns über mehrere Stunden sehr intensiv unterhalten haben, bot er mir an, nach Bali zu kommen um zusammen mit ihm an meinen psychischen Unstimmigkeiten zu arbeiten.

Ich wusste zu Beginn überhaupt nicht wie ich auf dieses Angebot reagieren soll. Zum einen spürte ich innerlich, wie mir diese Aussicht einen enormen Hoffnungsschub versetzte, zum anderen war ich damit auch dezent überfordert. Mir stellten sich einige Fragen und aber auch Zweifel in den Weg. Wie finanziere Ich einen 2 Monatigen Bali Aufenthalt? Wie reagiert meine Familie auf diese Neuigkeit? Kann ich diesem Mann, den ich erst seit wenigen Tagen kenne und noch nie persönlich gesehen habe, überhaupt trauen? Diese Fragen und Überlegungen beschäftigten mich nach dem Gespräch enorm. Dennoch keimte mehr und mehr die Überzeugung auf, dass ich diese Chance nicht ungenutzt lassen darf. Zu lange habe bin ich dahingerafft, habe mehr existiert als wirklich gelebt. Von nun an war mein Wille diese Abenteuer zu begehen, ungebremst. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, erzählte meiner  Familie davon und bat sie gleichzeitig um finanzielle Unterstützung. Eine Woche nach dem Erstkontakt mit Gabriel stand fest, dass ich für 2 Monate nach Bali fliege um meiner psychischen Disharmonie ein für alle Mal den Gar aus zu machen.

Nun war es als soweit, am 04.07.2017 machte ich mich von Frankfurt aus auf den Weg nach Denpasar, Bali. Die insgesamt 22 Stunden dauernde Anreise nutzte ich weitgehend dafür, die ersten Einträge in mein Tagebuch zu tätigen, welches ich eigens für die Therapie und auf Gabriels anraten mit im Gepäck hatte. Mir gingen in dieser Zeit viele Gedanken durch den Kopf, größtenteils war ich jedoch gespannt und sehr zuversichtlich bezüglich der Erfahrung, die auf mich zukommen sollte.

Das erste persönliche Aufeinandertreffen stand nun kurz bevor, ich hatte balinesischen Boden unter meinen Füßen und konnte vor Aufregung nur schwer klar denken. Man muss sich vergegenwärtigen, was dieses ganze Projekt für mich bedeutet und welche Hoffnung ich daraus zu diesem Zeitpunkt gezogen habe. Diese 2 Monate sollten einen klaren Wendepunkt in meinem Leben darstellen. Von einem teilweise verloren Jungen Mann, der verängstigt, eingeschüchtert und von seinem geringen Selbstwert sein ganzes Leben zurückgehalten wurde, hin zu einem gestandenen Jungen Mann, der weiß was er will und mit beiden Beinen glücklich im Leben steht.

Da war er also, Gabriel in Bild und Ton, ein durch und durch unscheinbarer älterer Mann, zumindest vermittelt dies der erste äußerliche Eindruck. Ich hatte zuvor etwas bedenken, was wäre, wenn ich schon zu Anfang eine Disharmonie spürbar gewesen wäre. Diese Zweifel sind aber schon nach den ersten Minuten im Auto, auf dem Weg zu Gabriels Domizil, verflogen. Ich fühlte mich direkt aufgehoben. Seine leichte, einfühlsame aber auch sehr bestimmende Art schmeichelte mir sehr.

Nachdem ich meine Unterkunft, die auch auf Gabriels Grundstück liegt, begutachtet habe, haben wir unsere Schwimmsachen gepackt und sind kurz vor Sonnenuntergang noch an das nahe gelegene Mehr gefahren um ein wenig zu Schwimmen. Als ich das Salzwasser auf meiner Haut gespürt und das Ambiente auf mich habe wirken lassen, hatte ich das erste Mal das Gefühl angekommen zu sein. Ich war in freudiger Erwartung auf all das was mich auf Bali erwarten sollte.

 

 

Wir als aus Europa stammende Menschen stellen uns unter einer Therapie, spezifischer ausgedrückt unter eine Psychotherapie, etwas ganz bestimmtes vor. Regelmäßige, meist einmal die Woche anstehende, Termine, bei denen man in einen davor vorgesehenen Raum mit dem davor vorgesehenen Gesprächspartner über seine ganz individuellen Probleme redet. Diese Zusammenkünfte dauern meist nicht mehr als 90 Minuten. Danach ist man dann wieder für 7 Tage mit sich und seinen Problemen auf sich alleine gestellt. Falls die Gespräche alleine keine Besserung bzw. Erleichterung der Situation verschaffen, ist die Medikamentöse Behandlung mit chemischen Psychopharmaka oft nicht mehr weit. Mehr ist zumindest bei uns in Deutschland aus Therapeutischer Sicht nicht möglich, natürlich gibt es noch gesonderte Möglichkeiten, diese jedoch müssen oft erst durch langwierige Prozesse von der Krankenkasse genehmigt werden.

Eins Spektrum, das vielen Hilfesuchenden Menschen leider nicht ausreicht. Sie fallen förmlich durch den groben Sieb unseres gesundheitlichen Auffangsystems. Wenn man hinter die Kulissen blickt ist dies aus rein wirtschaftlicher Sicht der Pharmaunternehmen auch überhaupt nicht gewollt. Ziel ist es hier Symptome zu lindern, den Keim, also die Ursache aber noch am Leben zu erhalten.  Heilung wird oft im Vorhinein nicht als Ziel gesetzt.

Ein komplett anderes Konzept verfolgt Gabriel. Im Laufe der Jahre hat er seine Methode, die er selbst entwickelt hat, anhand von unzähligen Patienten verfeinert und zu einem Konzept entwickelt, welches meines Erachtens nach einen einmaligen Charakter hat und mir so noch nie begegnet ist. Gabriel betreut jeweils immer nur eine Person, und dies je nach Bedarf für mehrere Monate. Choaching bekommt hier auf Bali eine ganz andere Bedeutung. Ein Behandlungszimmer und festgesetzt Termine existieren nicht. Im Grunde findet das Choaching immer und überall statt und der Clou an der Sache ist, dass man selbst oft gar nicht merkt, dass man sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der einer Choaching Situation befindet. Durch diese ungezwungene Atmosphäre, entsteht eine viel fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Klienten und Therapeuten.

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Ein weiterer wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste, Aspekt ist die Entwicklung der Freude. Jeder von uns findet selbst in der lethargischsten Version seiner selbst ein Aspekt, selbst wenn er noch so klein ist, der ihm den Hauch von Freude einbringt. Gabriels Ziel war es also genau dies bei mir zu eruieren und darauf dann aufzubauen.  Mein persönlicher Stimmungsverbesserungskatalysator war das Surfen. Wenn der Swell passend war, haben wir uns jeden Morgen um kurz vor 5 Uhr am Morgen mit unseren Motorrädern und den Surfboards im Gepäck auf zum Meer gemacht, um kurz vor Sonnenaufgang schon die ersten Wellen zu reiten. Während wir auf die Wellen gewartet haben, hat Gabriel oft die Zeit genutzt um auf mich und meine Baustellen einzugehen. So war Freude, physische Betätigung und Choaching oft nicht voneinander zu trennen. Besonders zu meiner Anfangszeit in Bali war der Aspekt des Surfens eine enorme Stütze um morgens mit Begeisterung und Freude in den Tag zu starten.

Durch meine bisherigen Erzählungen könnte vielleicht die Vermutung bzw. der Gedanke aufkommen, dass es sich hier um nichts weiter als ein Urlaub handelt. Dieser Annahme kann und muss ich entschieden Widersprechen. Trotz des durchaus angenehmen und urlaubsgleichen Ambientes, würde ich die 2 Monate des intensiven Choachings im nachhinein als Episode beschreiben, die mich bis aufs äußerste Gefordert hat. Besonders in den ersten Wochen waren mehrstündige, sehr intensive Gespräche an der Tagesordnung. Durch meine mehrjährige Erfahrung bzgl. Therapeuten und deren Praktiken, bin ich zu der Auffassung gekommen, dass man als Patient metaphorisch gesehen oft nur mit Wattebällchen beworfen wird. Also die Konfrontation mit sich selbst von Seiten des  Therapeuten nur sehr sachte initiiert wird. Anders verlief es in Bali. Gabriel hat mir ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen ganz klar aufgezeigt, welche Persönlichkeitsmerkmale mir wirklich inne liegen. Diese Konfrontation und die damit einhergehende Desillusionierung versetzten mir regelmäßig tiefe Tritte in Magengrube. Dennoch war genau diese Vorgehensweise notwendig um mich an den Punkt zu bringen, an dem ich heute stehe.

Auf Gabriels Empfehlung begann ich mit Beginn des Choachings auch damit ein Tagebuch zu führen. Zum einen, um die täglichen Erkenntnisse zu reflektieren und vor allem aber auch zu memorieren. Zum anderen sollte das Tagebuch auch als Grundlage für das momentan entstehende Buch dienen. Ich habe Gabriel damals mit dieser Idee nicht wirklich ernst genommen. Ich habe solch ein Projekt schlichtweg nicht im Bereich meiner Möglichkeiten eingeordnet. Dennoch habe ich mich also Abend für Abend vor dem schlafen gehen an meinen Schreibtisch gesetzt und fein säuberlich die Erlebnisse des Tages zu Papier gebracht.

Im Laufe des Choachings habe ich nicht nur das Surfen erlernt. Über eine Zeitdauer von 3 Tagen habe ich mit Gabriel einen Tauchschein gemacht, der mich befähigt mit einem Partner bis auf eine Tiefe von 15m in jedem Gewässer zu tauchen. Unseren Tauchgang im Meer haben wir an einem Schiffswrack im Westen von Bali unternommen. Im Zuge dessen haben wir das Glück gehabt eine Meeresschildkröte in nächster Nähe begutachten und bestaunen zu können.

Auch diese beiden abenteuerlichen Aktivitäten waren fester Bestandteil des Choachings und unterstreichen noch einmal, wie vielseitig das Spektrum der Möglichkeiten hier in Bali ist. Auch im Allgemeinen war die körperliche Betätigung ein enorm wichtiger Faktor meiner Genesung. Zum einen Begann ich mit dem Joggen und zum anderen machte ich das Körperkrafttraining zu einer konstanten in meinem Tagesablauf. Für mich waren diese beiden Betätigungen sehr hilfreich. Ich konnte damit einer Struktur folgen und mich gleichzeitig darin üben eine Kontinuität aufzubauen.

Teil des Choachings war auch, zumindest für mich, eine Umstellung meiner Ernährung. Nachdem ich knappe 22 Jahre meines Lebens größtenteils unbewusst alles in mich hineingeschaufelt habe, was meinen Geschmacksknospen zusagt, war auch das eine Herausforderung. Nichtsdestotrotz ernähre ich mich seit Beginn meines Bali Aufenthaltes größtenteils vegan. Eine Empfehlung, die mir Gabriel wärmstens ans Herz gelegt hat, nicht zuletzt wegen meiner, mich seit Jahren plagenden, Hauterkrankung.

Was Gabriels Ansatzweise meiner Meinung nach so interessant und wirkungsvoll macht, ist die ganzheitliche Betrachtungsweise. Schulmediziner spezifizieren sich meist im Laufe ihrer Karriere auf eine ganz bestimmte Thematik. Damit sind sie zwar im Makrobereich unseres Organismus bewandert und kompetent, verlieren aber dadurch die ganzheitliche Sichtweise für den Organismus des Menschen. Meine Heilung, physisch wie psychisch, war meiner Meinung nur möglich, weil Gabriel mich und meine Situation aus ein Perspektive betrachtet hat, die mich ganzheitlich abgebildet hat. .