Das Thema Widerstand war in meinem bisherigen Leben, präziser gesagt vor meiner Therapie, weder von Bedeutung noch war ich der Auffassung,  dieser Begriff könnte  in irgendeiner Form mit der Heilung bezüglich meiner Depression zu tun haben.  Ich war mir zu jenem Zeitpunkt noch lange nicht  im klaren was es mit diesem Begriff überhaupt auf sich hat und welche Wichtigkeit wir diesem Thema beimessen sollten.

Um verständlich zu machen was ich hier mit dem Begriff Widerstand meine, mag folgende visuelle Veranschaulichung hilfreich sein.

Man stelle sich vor, wir stehen vor einer beliebigen Wand, unsere Stirn sanft an diese Wand gedrückt. Jetzt verstärken wir den Druck, den wir mit unserer Stirn der Wand gegenüber ausüben, solange bis der ausgeübte Druck Schmerz in uns auslöst. Wir werden bemerken, je größer der Druck, den wir ausüben, desto größer wird auch der Schmerz, den wir verspüren. Es scheint fast so als fügte uns die Wand diesen Schmerz zu.

Nun stellt sich die Frage, wer oder was für den Schmerz tatsächlich verantwortlich ist, den wir in einer solchen Situation empfinden? Als ich mit diesem Beispiel konfrontiert worden bin, hatte ich noch das Gefühl, die Wand wäre die Wurzel des Übels. In Wahrheit ist es jedoch der Widerstand, der Druck, den ich der Wand entgegenbringe und der mir in Folge Kopfzerbrechen bereitet. Mit unserem Widerstand erzeugen wir Druck und Druck erzeugt immer Gegendruck. Ist dies doch eine altbekannte physikalische Grundregel. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch zurück  Dies nicht nur in unserem Beispiel in dem wir mit der Stirn gegen eine Wand drücken, sondern so gut wie in allen Situationen in unserem Leben. der uns in unserem Leben mitunter gehörig Schwierigkeiten bereiten kann

Diesen eben beschriebenen Umstand kann man so ziemlich auf sein ganzes Leben ausweiten. Es ist immer dann Widerstand im Spiel, wenn man den gegenwärtigen Moment nicht in seiner ganzen Fülle für sich selbst akzeptiert. Jegliche Form des anders haben wollen und der Unzufriedenheit fördert unweigerlich den Widerstand. Dieser kann sehr subtil sein und schleicht sich bei den meisten Menschen, ob depressiv oder nicht, in nahezu jede Situation.

Nun stellt sich die Frage, wie sich der Widerstand im Allgemeinen auf unser Leben auswirkt und welche Folgen er hat. Man muss sich hierzu vergegenwärtigen, dass alles und dementsprechend auch wir selbst aus Energie besteht. Energie, die dem Gesetz der Polarität folgt. So  gibt es nur positiv oder negativ, oben oder unten, schwarz oder weiß, Freude oder Leid usw. usf..

Da wir, und wirklich nur wir selbst, die Schöpfer der uns inne liegenden Energie sind, liegt es auch an uns diese zu beeinflussen und zu steuern. Leben wir also im Einklang mit uns selbst und nehmen die Dinge so wie sie uns zufallen, führt dies zu einer positiven Energie die uns umgibt. Diese Energie drückt sich in Freude, Glück, Liebe und vielen weiteren schönen Attributen aus.

Widerstand jedoch führt in jedem Fall zu einem Minderung unseres Energielevels. Es kappt uns so zu sagen von der Quelle unseres Seins ab, oder anders ausgedrückt, schwimmen wir bei Widerstand gegen die Strömung im Fluss des Lebens. Dies führt zu Unstimmigkeiten, die unsere ganzen Abläufe und vor allem aber  unsere Lebensqualität merklich negativ beeinflussen.

Ich selbst habe während meiner Therapie in Bali sehr lange mit Widerständen gerungen. Da ich über fast 22 Jahre ein weitestgehend unbewusstes, von Konditionierungen und Glaubessätzen durchdrungenes Leben geführt habe, viel es mir sehr schwer meine ganz persönlichen Widerstände aufzulösen. Dennoch, auch wenn noch viel Arbeit dahingehend vor mir liegt, habe ich schon einen Vorgeschmack davon bekommen, wie es sein kann, ohne eben diese Behinderungen zu leben. Wenn der Widerstand also erst gar nicht entsteht, bietet sich uns die Möglichkeit die Glückseligkeit des gegenwärtigen Moments zu erfahren. Frei von Hast und  von dem beständigen Gefühls der nur halbherzigen Akzeptanz der Situation, eröffnet sich uns eine ganz neue Welt, die es unserem inne liegenden Potenzial ermöglicht sich in seiner ganzen Fülle zu entfalten.

Dennoch bin ich noch nicht an dem Punkt, dass Widerstände  keine Rolle mehr in meinem Leben spielen. Indikatoren die mir signalisieren, dass ich mich im Widerstand befinde sind zum Beispiel: Wut, Ärger, Neid, innere Unruhe und Müdigkeit.

Ein weiterer wichtiger Punkt um Widerstände zu verstehen und schlussendlich aufzulösen, ist die Kenntnis darüber wieso sie überhaupt entstehen. Der Ursprung, das habe ich zur Genüge an mir selbst feststellen können, findet sich wie so vieles andere auch in unserem fiktiven Selbst Namens Ego

Das Ego ist unser falsches Selbst, das durch die unbewusste Identifikation mit unserem Verstand entsteht. Es existiert kein gegenwärtiger Augenblick. Nur Vergangenheit und Zukunft haben Bedeutung. Das Ego beschäftigt sich unentwegt damit die Vergangenheit lebendig zu erhalten. Gleichzeitig projiziert es sich immer wieder in die Zukunft, um sicherzustellen, dass es fortbestehen kann. Es macht aus unserer Gegenwart ein bloßes Mittel zum Zweck, und dieser liegt in der vom Verstand erdachten Zukunft.

Nichtdestotrotz ist das Ego ein wichtiger Bestandteil unseres Selbst. Seine vorgesehene Aufgabe besteht jedoch daraus unsere existenziellen Bedürfnisse zu gewährleisten.  An diesem Punkt sollte das Ego mit seinem Wirkspektrum am Ende sein, jedoch ist dies nur sehr selten der Fall. Wir als Menschen, mich mit einbegriffen, befinden uns weitestgehend in den Fängen des Egos. Es steht in unserer inneren Entscheidungshierarchie an der Spitze und sorgt weitestgehend für eine innere Disharmonie, welche zum Beispiel durch unsere Gier, Arroganz und Selbstsucht zum Ausdruck kommt.

Dieses Muster zu durchschauen und eine klare Differenzierung zwischen dem Ego und unseres Selbst vorzunehmen ist von äußerster Wichtigkeit. Denn dann wird es mehr und mehr erkennbar, dass allein unser Ego den Widerstand entwickelt, welcher uns wiederum davon abhält in einer angenehmen Stimmungslage zu verweilen. Den Spiegel vorgehalten zu bekommen kann im ersten Moment durchaus Schmerzhaft sein, denn die wenigsten würden ihre Persönlichkeit als Egoistisch bezeichnen. Jedenfalls ist mir dieses Eingeständnis sehr schwer gefallen. Dennoch ist diese Wahrheitsgetreue Selbsteinschätzung essenziell für den weiteren Heilungsverlauf. Ganz nach dem Motto „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“.

Abschließend ist zu sagen, dass Widerstände im metaphorischen Sinne die Mauern sind, die uns von der Freiheit und dem selbstbestimmten Leben trennen. Einmal eingerissen ergießt sich eine Lebensqualität und Freude über uns, die wir so nicht für möglich gehalten haben.